Danke – an eine Hand voll Lehrer

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Guten Morgen Deutschland!

Nein, wir sind nicht bei SAT1 zu Besuch, aber, wenn ich die Menschen grüßen möchte, die ich heute anspreche, dann muss ich einen Haken schlagen:
Von Kiel über Bremen über Chemnitz nach Trier.

Denn das sind die Orte, in denen ich meine Schulzeit  verbracht habe.

Ja, es ist bisher der größte Teil meines Lebens, immerhin habe ich fast 14 Jahre (inkl. einer Ehrenrunde in der 11) auf der Schulbank verbracht. Mit allen Höhen und Tiefen, die das Schulleben so mit sich bringt;) Dabei habe ich Erfahrungen in fünf Bundesländern und zusammen sieben Schulen gesammelt! Die Lehrer die mich durch die Jahre begleiteten sind… unsagbar viele, aber einige sind einfach „unvergesslich“!

Ich fange mal an: In der Grundschule hatte ich von der ersten bis zur dritten Klasse einen Klassenlehrer: Herrn Bothe.

Damals war alles irgendwie anders: Wir kannten keine Prüfungssituationen, wir waren eine geniale Klassengemeinschaft, und hatten eine sehr unbekümmerte Schulzeit. Und neben einem sehr kinderfreundlichen Schulsystem in Schleswig-Holstein lag dies zum Großteil an der sehr fürsorglichen und liebevollen Art, mit der unser Lehrer uns durch diese Jahre leitete. Damals mussten wir miterleben, dass die Frau unseres Lehrers aus dem Leben gerissen wurde, und noch bis heute bewundere ich ihn dafür, dass er sich trotzdem mit unseren Sorgen und „Kinderproblemen“ auseinandersetzte, fast wie ein lieber Onkel:)

Seine „Erziehungsmethode“: Striche an der Tafel, die man für „Fehlverhalten“ bekam. Bei fünf Strichen musste man nachsitzen:-P Einmal war die ganze Klasse ganz aufgebracht, weil die Viertklässler in „UNSEREM“ Garten herumarbeiteten“… Und ALLE bekamen fünf Striche, weil wir einfach nicht auf die Plätze gingen. Er nutzte diese Kollektivnachsitzrunde dann für eine Runde Eis, die er seltsamer Weise schon morgens im Lehrerzimmer eingelagert hatte.

Ok, zugegeben: In der Grundschule hat man es als Lehrer schon leichter, als in den höheren Stufen.
Und aus der Zeit der siebten bis zehnten Klasse ist mein damaliger Klassenlehrer Herr Stosch der nächste Lehrer, der auf seine Art übrigens nicht nur mir, sondern der gesamten Klasse bis heute ein gern erwähnter Lehrer ist.

Man muss sagen, in der siebten Klasse sind meine Familie und ich von Bremen nach Sachsen gezogen. Zwei Welten von Schulsystemen, die da aufeinander prallen!!!

Ich wage es einmal so auszudrücken: Von kollektiven Hauptschulniveau bin ich in eines der Länder gekommen, in dem man das Abitur ganz sicher nicht geschenkt bekommt.

Und da war es nicht gerade leicht, den Anschluss zu finden.

Herr Stosch unterrichtete uns damals in Geografie und Sport.

Das eine Fach einfach viel zu uneindeutig (ja, sorry, ich bin eher son Regelmensch, und konnte auch spätere Geolehrer mit Unverständnis beeindrucken), und das andere Fach für eine Gymnastik-Tanz-Maus ein Untergang, da der Rest der Klasse eher auf Ballsportarten stand:-P („Ah hilfe, ein Ball!!!“) Aus der Zeit aus Bremen bin ich übrigens Volleyballtraumatisiert. Ich glaube das hätte ich besser einmal den nachfolgenden Sportlehrern erzählt, anstatt kleinlaut auf dem Feld zu versinken.

Was Herrn Stosch auszeichnet? Humor in Situationen in denen andere nur ausflippen. Äh ja. Ich glaube, ausflippen hätte er wirklich sehr, sehr, SEHR oft können *g*. Das bringt allein das Alter der Klassenstufe 7-10 so mit sich. Aber wir hatten eigentlich immer was zu lachen! Nach der Leistungskontrolle am Anfang jeder Stunde zumindestens, diese fünf bangen Minuten werde ich mein Leben nicht vergessen:-P Meine Lektion: Nur Auswendiglernen hilft nichts bei TRANSFERFRAGEN. Ich habe im Übrigen NIE NIE WIEDER so viel Transferaufgaben beantworten müssen, wie in Geo, Phsysik und Biologie auf dem sächsischen Gymnasium. Da sieht man auch wieder, wie unteschiedlich die Bundesländer in ihren Anforderungen an die Schüler sind.

Auch lernte man in der damaligen Zeit, Antworten in ganzen Sätzen zu geben. Ansonsten kam prompt die Antwort „Apfelkuchen!“ von Herrn Stosch. Der Apfelkuchen verwirrte am Anfang, und wurde schnell das Symbol für Antworten ohne Verben, Adjektive und sonstige Sprachelemente;)

An Herrn Stosch hätte ich eine spezielle Frage:
Kann es sein, dass im allgemeinen das Verständnis für geografische und wirtschaftliche Zusammenhänge mit dem Alter steigt? Oder mit der „Reife“? Bis zum Abitur war Geografie ein Albtraum für mich. Ich konnte einfach keine Zusammenhänge zwischen Ländern knüpfen, die nicht einmal auf einem Kontinent liegen. Und Topografie: Ha, habe ich nicht vorgestern noch Homburg ins Städtchen Saarbrücken gelegt? Habe ich nicht bis vor zwei Monaten noch gedacht, ich fahre in den Norden, wenn ich nach Koblenz fahre? Und lag Aachen zumindest in meiner Welt nicht immer irgendwo bei Bayern??? *g* Man sieht: Deutschland war leider Thema vor meiner Zeit bei Herrn Stosch, ansonsten wären mir solche Fehler heute nicht passiert.

Heute interessiere ich mich mit einem mal für andere Länder, ihre Kulturen und die Wirtschaftlichen Vorgänge. Ist doch verrückt, oder? Darf ich bitte mal eine Klassenarbeit von damals sehen, und überprüfen, ob ich heute mehr Einsicht zeige???

Mit Herrn Stosch ist fast die gesamte Klasse von damals heute über soziale Netzwerke verknüpft, und es ist schön zu sehen, dass die anderen auch gern an die Zeiten denken (ja  auch die anderen, die in Geo nicht gerade die Überflieger waren:-P).

Wir kommen nun dem Abitur immer näher:

Denn das nächste Bundesland, dessen Schulsystem ich „testen“ durfte war: RHEINLAND-PFALZ!

Mit dem Übergang in Klasse 11 siedelten wir nochmals um, und zwar in die Nähe von Trier. Ich suchte mir eine Schule in Konz aus, auf der ich das Abitur machen wollte. Der Traum bliebt auch ein Jahr lang ein „wollte“, denn als erstes hieß es wieder einmal: Die Differenzen der Schulsysteme und Lehrpläne auskurieren…

Ziemlich nervig, und auch wenn es diesmal nicht so heftig war, wie beim Umzug von Bremen nach Chemnitz: Ich scheiterte diesmal an meiner eigenen Schwerpunktseztung. Nicht nur, dass ich die falschen Leistungskurse wählte (in Sachsen in Mathe eine EINS hieß nicht, dass man hier noch mitkommt. Denn das was man in Sachsen in Klasse neun und zehn lernt, ist thematisch keineswegs kompatibel mit dem Mathelehrplan von hier… Das kommt hier in Klasse dreizehn erst wieder zum Zuge).

Die Zeit der ersten Runde 11 machte ich auch einfach mal: Nichts. Jedenfalls schulisch gesehen. Und es tat mir sozial gesehen sehr gut, denn diesmal fand ich schneller Freunde, feierte auf vielen Partys und fand über eine tolle Theatergruppe meinen ersten Freund. Tja, Schule war einfach mal „out“. Nur eines machte wirklich Spaß, wenn es auch sehr kompliziert war:

Der Physik Leistungskurs bei Herrn Kurzbach.

Herrn Kurzbach muss man in wenigen Sätzen so beschreiben:

– Kommt aus Norddeutschland – und redet auch so

– Kann am besten über sich selber lachen

– kam damals immer in einem Wohnmobil zur Schule. Eines Tages komplett mit weißer Farbe übersprenkelt. Er nahm diese Situationskomik gleich, um uns die Gravitationslehre näher zu bringen (Ab welchem Tempo fliegt ein Farbeimer, wenn man mit einem Wohnmobil in die Kurve fährt?).

– Nutzte Doppelstunden auch mal, um uns bei einer Pfanne Paella auf dem Lehrerparkplatz Theorien zu erklären, die sensibler Annäherung bedurften (wie jetzt, reden wir gerade über DIE RELATIVITÄTSTHEORIE????).

– wurde dafür oft von anderen Lehrern belächelt, von uns aber dafür umso mehr wertgeschätzt, was sich auch durch unseren Fleiß bestätigte.

Die lustigste Situation: Er lehnte sich gerne mit dem Oberkörper über das Pult, wenn er uns eine schwerere Frage stellte, und unser Grübeln beobachtete. Eines Tages muss er vergessen haben, dass er in seiner Hemdtasche sein Handy hatte. Und mit einem mal rief eine leise Stimme „Hola???!“. Er hatte versehentlich mit der Kurzwahltaste einen ehemaligen Kollegen auf Teneriffa angerufen und sprang wie von der Tarantel gestochen in die Luft;)

Er ist dran „Schuld“, dass ich mutig war, und ein weiteres mal Physik als LK wählte, als die zweite Runde 11 anstand.

Und, ich kann euch sagen, wie überglücklich ich war: Auch der neue LK bekam IHN als Lehrer!!!!!! Ich war sooo glücklich, und schaffte es tatsächlich, das Abitur in Physik zu bestehen (ich sag jetzt nicht, mir wie vielen Punkten^^).

Die zweite Runde brachte bis auf ihn lauter neue Lehrer, unter anderem: Meinen Englisch-LK-Lehrer Herrn Quintus.

Er ist einer „von denen“, die man zu aller erst einmal evtl. nicht mag. Ist er doch sehr, sehr streng. Und fordert viel. Aber mit jeder Stunde, die wir mit ihm verbrachte, schmolz das Eis, und heute kann ich sagen: Bei ihm habe ich so unglaublich viel gelernt, wie bei sonst kaum einem anderen Lehrer in der Oberstufe. Denn neben dem üblichen Englischunterricht lehrte er uns sehr viel Empathie und die Fähigkeit, Englisch nicht nur zu Schreiben, sondern auch zu sprechen… Er war einer der wenigen, die mit uns das Bewerben besprach, und uns wirklich sinnvolle Tipps in alles Lebensbereichen gab. Auch in Beziehungsproblemen, wie sich nach knapp einem Jahr heraus stellte;)

NIEMAND vergaß bei ihm die Hausaufgaben, und niemand erkannte nicht den Mehrwert aus dem Unterricht bei Herrn Quintus;) Wir waren ein sehr kleiner Leistungskurs, aber im Gegensatz zu den anderen rauschten wir durch die Pflichtlektüre hindurch, und wurden mit spannenden Büchern belohnt, die er genau so gerne auseinanderzwiebelt wie einen Shakespeare.

Und da er von Anfang an Arbeiten schrieb (was waren wir anfangs empört…!!), die genau so wie die Abutirprüfung aufgebaut waren, gingen wir durch die tatsächliche Abiprüfung wie im Schlaf. Naja, fast jedenfalls…

Dass Strenge und Herzlichkeit nicht einander widersprechen, ist sein Konzept, und das lässt ihn bei vielen in GUTER Erinnerung, auch wenn am Anfang viel gestöhnt wird:-)

 

So, alle vier Lehrer bekommen den folgenden Orden verliehen, und ich behaupte einfach mal, dass ich durchaus befähigt bin, nach sooo vielen Lehrern die Guten herauszufiltern:-)

 

OrdenLehrer

 

 

 


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