Eine Bestandsaufnahme. Was ich alles nicht hab’ – Was ich alles hab’, aber nicht will

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Hallo Ihr Lieben,

heute nehme ich ein Gedicht von Julia Engelmann zur Grundlage für den Beitrag:


Teil 1 von 3 – Was ich alles nicht hab’

Ich habe keinen Platz für all meine Ideen. Ich habe keine Macht über die Ressourcen, die ich verbrauche. Ich habe nie genug Zeit. Ich habe oft null Bock auf das, was ich gerade machen muss. Ich habe keinen Spaß bei meiner Arbeit.

Ich habe kein Geld für Urlaub. Ich habe keine schöne Lockenpracht.  Ich habe kein Haus, keinen Garten, nicht einmal ein Auto.

Ich habe keinen Titel und nie studiert. Ich habe keine Ahnung vom Leben und keinen Mut einfach neu durchzustarten. Ich habe keine Tränen mehr. Und sowieso keinen Plan davon wie man am besten Grenzen setzt. Ich habe keine Ahnung, wo wie mich die anderen sehen.

 

 Teil 2 von 3 – Was ich alles hab’, aber nicht will 

Ich habe eine wahnsinns Wut auf alle Menschen, die mich verletzt haben.

Ich habe Angst vorm Versagen, Angst vor Streit und Angst vor Verletzungen.

Ich habe  Angst davor, mein Leben nicht genug zu leben.

Ich habe Angst vor dem Kontoauszugsdrucker. Ich habe Angst davor, mein Kind zu verlieren. Ich habe Angst davor, nachts aufzuwachen. Ich habe Angst vor Feuer und davor, eingesperrt zu sein.

Ich habe Angst, meine Freiheit zu verlieren und Angst davor zu egoistisch zu sein.

Ich habe Angst vor meinen Entscheidungen und Fehlern, die ich machen werde. Ich habe ein Trauma und eine Zahnarztphobie. Ach ja und ich habe Angst vor Insekten.

Ich habe oft Albträume und Angst davor auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich habe Träume aber keine Idee, wie ich sie umsetzen kann. Ich habe einen festen Arbeitsplatz, den ich gern verschenke. Ich habe eine Depression und nehme zu viele Medikamente.

Ich habe ein Studium begonnen und merke jetzt, dass es nicht zu mir passt. Ich habe so vieles, das mich belastet aber kann einfach nicht loslassen…

Teil 3 von 3 – Was ich alles hab’

Ich hab’ so viele Dinge, viel mehr als ich eigentlich er- und vertrage. Und ich hab’ Augen, die alles das, was ich betrachte, auch tatsächlich sehen. Ich hab’ Beine, die manchmal stehen oder tanzen oder sitzen oder tatkräftig gehen. Ich hab’ Ohren, die alles das, was du sagst, wörtlich verstehen und manchmal auch das, was du eigentlich meinst. Ich hab’ Empathie, die mir weh tut, wenn irgendwer weint und ich hab’ Arme und Hände, die Dinge halten können und dich. Ich hab’ eine Mimik aus Muskeln und Fältchen und Haut im Gesicht. Ich hab’ ein Herz, das ich zu selten auf der Zunge trage, aus Angst, dass ich’s verschluck. Ich hab’ ein Lächeln, dass ziemlich gut funktioniert, aber dass ich selten benutze. Und ich hab’ Freunde und Träume, meine Stimme und Sinne. Ich hab’ so viele Ideen, ich hab’ so viel zu geben, ich hab’ so viel zu erleben, so viel zu erleben, ich hab’ Fragen, die offen sind und Haare, die offen sind. Ich hab’ Tränen, die Tropfen sind und ziemlich schnell trocken sind. Ich hab’ sicherlich nicht all zu viel, aber doch ein bisschen Wissen. Ich hab’ ein Gehirn mit Synapsen, die sich stündlich verknüpfen. Ich hab’ Erinnerungen.. Erinnerungen, von denen mir noch Ernte verbleibt. Ich hab’ meine Meinung, Gefühle und Werte und Zeit und ich hab’ Vertrauen.. Vertrauen darin, dass Zeit Wunden heilt und Vertrauen in mich. Vertrauen daran, dass alles gut wird und in das Leben an sich und ich hab’ mein Leben, das endlich ist und nicht selbstverständlich ist. Vielleicht nur eine Seele, die ewig beständig ist, auch wenn der Gedanke daran für mich sehr befremdlich ist und ich hab’ noch was, das vergess’ oft, dann muss ich mich neu besinnen, ich hab’ nicht und nichts zu verlieren, sondern so viel zu gewinnen. Ich hab’ tausend Gründe zu Lachen und bloß einen zum Weinen und vor allem habe ich einen Grund glücklich zu sein.

 


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