Geschichten für Kinder: Wie das Koalakind das Glück fand

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Eines Tages weckte die Koala Mama ihr kleinstes Kind schon sehr, sehr früh am Morgen. Es war so früh, dass noch kein Vogel zwitscherte, Nebel lag in der Luft und die meisten anderen Koalas schliefen noch tief und fest. „Ich werde dir heute etwas ganz besonderes zeigen. Dafür werden wir ein Stück wandern müssen, aber du wirst es nicht bereuen.“

Das Koalakind war aber noch sehr müde. Es fragte sich, was schon so wichtig sein sollte, dass man so früh aufstehen muss. Und lief widerwillig seiner Mama hinterher. Sie liefen lange durch den Wald. Dann durch eine kleine Wüste, bis sie schließlich einen Berg erreichten, der so hoch war, dass man im dunklen Himmel gar nicht sehen konnte, wo eaufhörte. Die beiden kletterten höher und höher. Der Weg wurde schmaler und das Koalakind immer langsamer. Schon bald hatte es keine Lust mehr, auch nur einen Schritt weiter zu laufen. Doch seine Mama stupste es sachte an, und verriet ihm: „Ich werde dir heute das Glück zeigen!“ Das fand das Koalakind sehr spannend. Wie sah das Glück wohl aus? Aus welchen Farben würde es bestehen und wie würde es sich anfühlen?

Konnte man es überhaupt anfassen, oder war es wie der Regenbogen nur zu sehen aber unerreichbar? Neugierig trollte das Kind hinter seiner Mutter her, bis sie beide den Gipfel des Berges erreichten. Dort oben sagte diese, man müsse ab jetzt einfach nur noch warten, dann würde das Glück schon bald von ganz alleine kommen. Das Koalakind setzte sich also neben sie und beobachtete die Berghänge, denn wenn das Glück ja zu ihnen kommen sollte, musste es wohl einen der Wege nehmen. Aber außer ein paar Vögeln, die inzwischen den Morgen mit ihren herrlichen Tänzen gegrüßten, kam niemand den Berg herauf geklettert. Das Koalakind dachte, dass seine Mutter sich bestimmt vertan hatte. Wahrscheinlich hatten sie das Glück schon verpasst und es hatte nicht auf sie gewartet. Und als es gerade anfing, nervös um die Mutter herumzulaufen, wurde mit einem mal die ganze Luft um sie herum herrlich rosaviolettrot.

Eine goldene Kugel begann sich am Himmel herauf zu ziehen und sie verteilte ein Licht, dass die Nase des Koalakindes lieblich kitzelte. Es versuchte die Strahlen zu fangen und hüpfte selig durch diese Fluten des Lichtes. Seine Mama lächelte berührt, während sie das Kleine beobachtete. Mit der Zeit wurde es immer ausgelassener und fand immer wieder neue Dinge, die es zum Jauchzen brachten: Die Bäume, die unterhalb des Berges ihre Wipfel nach dem Licht ausstreckten. Die Schwester dieser wunderschönen Lichtkugel, die sich im Fluss badete, die Wolken, die aussahen wie kleine Watteberge… Alles war so wunderschön, dass es dem Koalakind ganz schwindelig vor Aufregung wurde. „Oh Mama, wie toll ist das!“ rief das Koalakind vor Freude. Da erklärte seine Mutter ihm, dass das Glück sich immer wieder zeigte, aber dass man es nur mit dem Herzen fühlen konnte.

Das Glück ist kein Tier, kein Baum und nichts zum Spielen. Das Glück wandert immer direkt in die Herzen der Wesen hinein. Deswegen konnte man es auch nicht auf seinem Weg beobachten. Niemand weiß ganz genau, wann es im Herzen ankommt und wie lange es bleiben möchte. Aber man kann es immer wieder freundlich einladen und die Augen nach seinen wunderbaren Geschenken aufhalten. Oft war man so blind vor Langeweile oder Frust, dass man die kleinen Gesten des Glücks nicht wahrnehmen konnte. Dabei waren sie immer und überall. „Hier, nimm dieses kleine Blatt“, sagte die Mama zum Koalakind. Und schau einmal genau hin. Siehst du die einzigartigen Muster, die sich durch das Blatt ziehen? Das sind die Adern, die Lebenssaftbahnen. Das Blatt zeigt uns seine wahre Schönheit erst dann, wenn wir es genau betrachten und uns ein wenig Zeit nehmen, um die Wunder, die es verbirgt, zu erkennen. Es ist also nicht nur unsere Nahrung sondern auch eine ständige Erinnerung daran, wie schön diese Welt ist.“ Das Koalekind nahm das Blatt und steckte es sich als Erinnerung an diesen wunderbaren Moment in sein Fell. Essen wollte es dieses Blatt niemals. Denn immer, wenn es das Blatt ansehen würde, würde es sich an das Glück erinnern und es in sein Herz einladen. Und fröhlich hüpfte es neben seiner Mutter den Berg wieder hinab, wo es sich zu den anderen Koalakindern gesellte, mit ihnen spielte, und ihnen erklärte, warum es ein Blatt im Fell herum trug.


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