Rabenmutter trifft auf Familiencoach: Was Aushalten mit Kinderstärkung zu tun hat

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© museyushaya - Fotolia.com
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Es ist Abends, 20 Uhr. Ich beschließe: Püppilotta geht ins Bett!

Normalerweise heißt das:

Schlafanzug an, Zähne putzen, ggf. eine warme Milch und dann wandert die Maus in ihr Bett. Dort wird noch etwas gelesen oder erzählt, dann schalte ich das Licht aus und kann gehen.

Manchmal heißt es aber auch:

Ab dem Moment, in dem Püppilotta ins Bett schlüpft, beginnt eine Auseinandersetzung, die sich gewaschen hat.

Püppilotta nörgelt, jault, hat keine Lust zu liegen. Hat keine Lust zu spielen. Will was trinken und dann doch wieder nicht. Will noch was essen, hat aber eigentlich keinen Hunger. Sie beginnt zu weinen, will unbedingt Fernsehen. Und steigert sich in ein Jammern, dass sie dummerweise deutlich länger durchziehen kann, wie meine Nerven es aushalten können.

Und in diesem Momenten bin ich meistens schwach, gebe nach, lasse sie noch einmal Caillou sehen, in der Hoffnung, dass sie dann doch darüber einschläft, schalte doch ein zweites Benjamin Blümchen Hörbuch ein oder: Ich packe in der Tat noch mal die Duplo-Eisenbahn aus, und spiele nachts um halb zehn noch mit ihr.

Nun habe ich seit nicht all zu langer Zeit einen Experten zur Hand (*g*), der sich das ganze leicht amüsiert ansieht, und ab und an (oder: im Moment ziemlich oft…) erklärt, was da gerade vor sich geht:

Also, was die Jammerei im Bett Abends angeht, genau wie Betteln und anschließendes Brüllen im Supermarkt und sonstige Trotzattacken, da ist mein Verhalten genau so programmiert, dass ich irgendwann ein noch verwöhnteres (geht das echt noch??) und verzogenes Kind zu Hause habe, das mich total im Griff hat.

Und da ist er auch nicht der erste, der mich darauf hinweist…

Also heißt es: AUSHALTEN LERNEN. Denn mir fällt es wahnsinnig schwer, Weinen, Jammern oder sonstige Unwohlbekundungen von Püppilotta „auszuhalten“. Alles wird von meiner Seite dran gesetzt, dass das Kind ruhig wird. Dass sie aufhört zu heulen, aufhört zu krakeelen und vor allem: Glücklich ist.

Dabei ist es gar nicht „Glück“, dass ich ihr damit gebe. Sondern: Aufmerksamkeit.

Und die kann ich ihr auch geben, indem ich da bin, ihr zu verstehen gebe, dass ich sie wahrnehme, und dann: NICHT AUF DAS JAMMERN EINGEHE.

Wichtig: Püppilotta fehlte es an nichts. Sie war nicht krank, hatte keine Schmerzen und auch sonst keinen direkten „Kummer“, den man ernst nehmen muss. Sie lehnte sowieso alles ab, was man ihr brachte…

An ihrem Bett heißt es also: DABLEIBEN (!!! wir unterstützen keinesfalls, Kinder einfach in ihrem Unwohlsein alleine zu lassen!!!), das Püppilottas Hand halten (das macht sie dann gerade, sie sucht also eine Verbindung) und das Nörgeln und Heulen aushalten, wenn sie nicht das bekommt, was sie eigentlich gerade eh nicht will. Denn was bringt Püppilotta nächtliche Stimulation in Form von Spielen oder gar Fernsehen (das kam nicht oft vor, aber ich war echt schon mal seeeehr verzweifelt^^)???

– Richtig. Nichts!

Und, oh Wunder:

Nach 45 Minuten Heulerei (!!!) legt sich die Maus hin uns beginnt plötzlich zu summen!

So what?????? Ich dachte echt, es kann nicht sein. Und keine zehn Minuten später schlief sie tief und fest.

Es wird sicher noch öfter vorkommen, dass sie etwas unbedingt will, das dann nicht geht. Aber diese Grenzen braucht ein Kind unbedingt.

Denn nur Eltern, die klare Regeln und Grenzen setzen, können den Kindern eine starke Schulter bieten, sie halten (und dazu gehört auch: aushalten…) und stärken.

Und was hat ein Kind schon davon, wenn es als Kleinkind lernt, immer zu bekommen, was es will? Also spätestens in der Schule führt das nur zu Problemen (und davon haben wir ja wohl genug, oder?!)…

Warum fällt es uns Eltern oft so schwer, einfach auszuhalten, dass Kinder auch mal einfach Heulen, ohne dass es einen triftigen Grund gibt?

Antwort von Deva:

Ich vermute, es liegt daran, dass das Weinen und/oder Jammern uns an unsere Traurigkeit und Schmerz aus unserer Kindheit erinnert, den wir in tiefste Kellerschächte verdrängt haben und dort sicher aufgehoben wähnten.
In meiner Praxis werden mir häufig extremere Situationen von Kindern und Erwachsenen Klienten aus ihrer Kindheit geschildert. Es stellt sich immer wieder heraus, dass sie in dieser Situation vor allem Verständnis und liebevolle Aufmerksamkeit brauchten, um sich zu entspannen. Also: Sie brauchen weder gute Ratschläge noch Trost noch das sie ihren Willen durchgesetzt bekommen. 

 

 


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