Die Frau, die einen vermeintlich nie so liebt, wie man es sich wünscht: Die Schwiegermutter. Eine Anleitung für schwierige Fälle

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Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich ein sehr sensibles Thema aufgreifen: Viele von euch Lesern kennen das große Problem mit der Schwiegermutter.

Auch ich hatte schon alle Arten von Schwiegermüttern. Die eine wollte mich vor den Arzt-Kollegen ihres Mannes verstecken und verbot mir zu sprechen, da ich ja noch nicht mal studiert hatte. Die andere hatte Probleme mit meinem Aussehen. Ich sah ihr nicht dünn / blond / sportlich genug aus, was ich immer beim gemeinsamen Essen zu hören bekam (und ich schaffe es fast acht Jahre, das zu ignorieren, bis ich in einer Klinik für Essstörungen landete).

Ich weiß genau, wie einem das Herz zerbricht, wenn man sich von einer entscheidenden Person nicht geliebt fühlt.

Ich habe schon viele Tränen geweint, Flüche ausgesprochen, in Gedanken Morde begangen. Erst als ich Deva kennen lernte, betrachtete ich das erste Mal mein Schwiegermutter-Problem aus IHRER Perspektive.

Diesen Perspektivwechsel hatte ich früher gar nicht erst im Sinn gehabt, für mich waren die alle einfach nur strohdoof, wenn sie mit mir „nicht konnten“.

In einem sehr intensiven Gespräch nach einer Wutattacke meinerseits stellte er mir eine sehr simple Frage:

„Warum glaubst du, macht das ein Mensch?“

Und ich erst so: „Na weil er mich hasst, weil er einfach nur will, dass es mir schlecht geht!“…

Deva: „Was hat jemand davon, wenn es DIR schlecht geht? Bist du so wichtig in diesem Universum, dass es einfach nur darum gehen könnte, dass es dir schlecht geht?“

Ich: „Häää?“

Deva: „Naja, da wird von jemandem Energie in eine Handlung investiert. Das macht ein Mensch nie einfach so. Es sind immer Gründe, die sich auf den Sender eines Signals beziehen. Warum fühlt sich jemand so verletzt?“

Und da musste ich mir dann das erste mal vor Augen führen, wie es ist, Oma zu sein:

Man hat plötzlich nicht mehr die Verantwortung über das eigene Kind. Man bekommt ein Enkelkind vom eigenen Kind, welches man wahrscheinlich genau so liebt, wie das eigene Kind nach der Geburt. Und man ist nicht die Nummer Eins dieses Kindes. Vielleicht wird man noch energisch weggeschubst, wenn die frisch gebackenen Eltern sich viel Ruhe wünschen…

Man möchte gesehen werden, muss aber statt dessen ständig hinsehen.

Man möchte zurück geliebt werden und prallt vielleicht an dieser Liebe, die alle dem Baby zuwenden einfach ab. Dabei ist doch jeder Mensch mit einem Bedürfnis ausgestattet, welches wir schon als Baby haben: Die Sehnsucht nach Liebe.

Und die jungen Leute haben dafür keine Antennen, weil sie einfach nur alle Aufmerksamkeit dem süßen, kleinen Bündel schenken, welches diese ja von Natur aus auch einfordert.

Und dann ist da natürlich auch ANGST. Angst, dass die jungen Leute einen Fehler machen, den man vermeiden könnte, wenn sie einem nur zuhören würden.

Man investiert viel Energie in Schadens-Prohylaxe, weil man doch schon so viele Jahre mehr an Erfahrung gesammelt hat. Und egal, wie man es formuliert: Die junge Generation empfängt alle Tipps als Kritik.

Jeder Mensch kommt mit einem Weltbild ins Erwachsenenalter, welches man von seinen eigenen Eltern eingeimpft bekommen hat. Nun ist es so, dass alles, was unser Weltbild im ersten Moment ignoriert oder gar zerstört, einem ziemliche Ängste bereitet. Denn die Welt geht in unserem Unterbewusstsein ständig auf irgendeine Art kaputt.

Und das würde rein historisch gesehen meistens die Sippe in den Tot führen.

Wisst ihr, das bei Tieren oft die WEIBLICHEN ÄLTESTEN die Anführer eines Clans sind? Selbst, wenn ein Männchen als „Chef“ aufgestellt wird, ist sein Weibchen diejenige, die für die Generationen unter ihnen und deren Versorgung zuständig ist.

Sollte es Probleme mit dem Nachwuchs geben, ist oft erst die Kritik von „ganz oben“ nötig, um die erhitzten Gemüter wieder zu beruhigen.

Und was machen wir heute?
Wir sourcen aus. Statt auf unsere Mütter zu hören, fragen wir Google.

Google kann aber nicht den Tiger erspähen, der unsere Sippe gleich jagt. Und Google hat auch keine Ahnung davon, wie das Kind der Schwiegermutter (sprich: der eigene Partner) als Kind so drauf war. Google hat auch nicht über das Leben unseres Partners gewacht, als dieser noch ein Baby war.
Ich finde: Wir können alle durch einen Perspektivenwechsel viel, nun ja, nennen wir es „Mitgefühl“ entdecken.

Wenn wir versuchen zu ergründen, aus welchen Beweggründen ein Mensch heraus verbal „zuschlägt“, sollten wir es nach dem ersten eigenen, verständlichen Wutausbruch versuchen, diesen Menschen zu verstehen.

Das glückt nicht immer und oft erst nach vielen Wochen oder Monaten Abstand. Und trotzdem: Es lässt uns alle milder im Umgang miteinander werden. Ich bin leider nicht immer perfekt darin, was aber auch wiederum an meinem eigenen Ego liegt. Es kommt alles als Speerspitze in meinem Herz an. Einfach alles. Und wahrscheinlich muss ich noch ein paar Jahre älter werden, um es besser aufzunehmen.

Denn ganz ehrlich: Kritisieren kann man an mir vieles. Sehr vieles. Ich bin wahrlich kein Schwiegermuttertraum.

Liebe Grüße

Eure Mira

Foto:  Photographee.eu / shutterstock

 


One Comments

  • Model und Mama

    22. Oktober 2017

    Wow toller Artikel. Meine Schwiegermutter lebt nicht mehr. Aber für mich ist es ein merkwürdiger Gedanke, wenn mein kleiner Prinz in einigen Jahren eine andere Frau als Nummer Eins im Leben hat. Mit diesem Hintergrund kann man Schwiegermütter vielleicht auch besser verstehen.

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