Wie ist es, in Deutschland allein erziehend zu sein?

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Ja, Ihr Lieben,

ich werde mich nun noch einmal nach regen Diskussionen zum Thema #regrettingmotherhood auslassen, nur diesmal etwas anders. Denn nach langen Überlegungen bin ich nun etwas anderer Meinung, was das Potential in Müttern angeht, die Mutterschaft zu bereuen.

 

Ich glaube nämlich, dass es sehr, sehr vielen ELTERN (!!!) sehr, sehr schwer gemacht wird, eine Existenz als Familie zu erhalten. Auch mich trifft es sehr hart:

Dass man es als allein erziehende Mutter in Deutschland nicht leicht hat, wusste ich bereits, bevor ich es wurde.

Doch dass es einer Mutter so unnötig schwer gemacht wird, damit hatte ich nicht gerechnet!

Denn in den letzten Monaten sind einige Sachen passiert (bzw. eben NICHT passiert^^), die des öfteren zu Panikattacken meinerseits führten:

  1. Ich warte seit JANUAR auf die Bearbeitung und somit auch ZAHLUNG des Kindergeldes. Ja, jeden Monat fehlen mir somit 184 Euro, die sehr weh tun, wenn man eh schon um jeden Euro kämpfen muss. Bis Dezember war ich Angestellte eines städtischen Unternehmens. Damals wurde immer pünktlich über dieses Unternehmen mit meinem Gehalt das Kindergeld gezahlt. Nun wartet das Amt angeblich auf ein Schreiben dieses Unternehmens, was aber nicht sein kann, da ich es inzwischen sogar schon persönlich dort abgeholt und bei der zutreffenden Stelle abgegeben habe!!! Da kann man echt nur noch schreien, danke liebes Deutschland für so viel Bürokratie…
  2. Der Kindergarten von Püppilotta musste wegen Giftstoffen in der Luft das Gebäude räumen. Nun hat die Stadt ein wirklich tolles Gebäude als neuen Zufluchtsort gefunden, welches aber so weit weg ist, dass ich zu Fuß (ein Auto habe ich nicht, Linienbusse fahren nicht) für eine einzige Strecke 1 Stunde 20 Minuten brauche. HALLO??! Geht es noch??? Soll ich wirklich über VIER Stunden täglich rennen, um Püppilotta für sechs Stunden in die KiTa zu geben????? Übrigens fährt ein Bus vom alten zum neuen Kiga. Aber erst für Kinder ab drei. Aus versicherungstechnischen Gründen. Jaja. Danke auch.
  3. Ähm, da war doch mal die Rede von VEREINBARKEIT. Dazu sage ich mal: Siehe Punkt DREI. Ich lache hart. Zum Glück gibt es Arbeitgeber, die sich mit Kindern beschäftigen. So habe ich einen Job in Aussicht, der beides miteinander verbinden lässt. Und Püppilotta wäre nicht einmal weit weg, wenn ich arbeite:-)
  4. Und was sagt man dazu: In meinem Städtchen ist es noch nicht einmal möglich, das Jobcenter mit Kinderwagen zu betreten^^ Denn der vorhandene Aufzug wird selten bis gar nicht in Betrieb genommen, obwohl er funktionsfähig ist. Okay, ein Kleinkind kann man auf den Arm nehmen. Was nervt, wenn es so schön am schlafen war. Aber was bitte macht ein Rollstuhlfahrer??? Sorry, aber mehr Diskriminierung geht einfach nicht:-(
  5. Und die lieben Damen und Herren der GEZ (ich hasse die ja eh schon…) kennen offensichtlich ihre eigenen Formulare für eine Gebührenbefreiung nicht. Seit einem Jahr streite ich mit denen, weil ich über das Jobcenter als Wohngeldberechtigte eine Befreiung habe. Aber dennoch wird ständig Gel von meinem Konto gebucht. Und immer, wenn die Lastschrift zurück gegeben wird, kommen noch dreistere „Drohbriefe“…
  6. Bitte liebes Deutschland, werde freundicher für FAMILIEN!!! Diese Probleme haben ja nicht nur allein erziehende, sondern alle Familien, die an der Armutsgrenze leben. Und das sind sehr, sehr viele!

Man muss ja nicht einmal arbeitslos sein, um wenig Einkommen zu haben. Hat man einen Job, fallen diverse Unterstützungen weg.

Mache ich mich als Mutter selbstständig, werden mir nicht nur Steine, sondern ganze Berge in den Weg gelegt.

Und es kann echt nicht sein: Mir wurde letztens am Telefon des ARBEITSAMTES empfohlen, als allein erziehende einfach in Zukunft Harz IV zu beziehen, damit hätte ich mehr zur Verfügung als ich, laut Aussage des Beraters, wohl je mit einer versicherungspflichtigen Arbeit verdienen würde.

Sorry, mir fehlen die Worte, deswegen beende ich nun auch diesen Beitrag.

Hat jemand andere Erfahrungen gemacht wie ich?

Freue mich über alle Antworten und Kommentare!!!!

Liebe Grüße:)
Eure zerschlagende Mira

 


One Comments

  • Limalisoy

    15. Juni 2015

    Ich sag´s ja, Deutschland ist kinderfeindlich und nennt sich nur familienfreundlich. Wo wir auch schon beim Thema wären: familienfreundlich… Für Ein-Eltern-Familien gilt das nämlich nicht. Wenn du kein gutes Netzwerk hast, das dich betreuungsmäßig, organisatorisch und manchmal auch finanziell unterstützt, bist du oftmals aufgeschmissen – ich jedenfalls! Mit Jobcentern muss ich mich zwar nicht ärgern, dafür aber mit Jugendamt und den Berechnungen für den zahlenden Elternteil… Auch nicht immer einfach und schon gar nicht witzig. Wie wäre es denn zum Ausgleich mit einem Solidaritätszuschlag für Alleinerziehende? Die massigen Überstunden, das hochqualifizierte Familienmanagement und die überaus große Flexibilität, die man aufweisen muss, werden in anderen Bereichen sehr hoch honoriert… Bei der tollen Eltern- bzw. Familienpolitik, die wir haben, kann man doch mal spekulieren…
    LG Yvonne

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