Wenn das Jugendamt vor der Tür steht – Was tun

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Ihr Lieben,

immer wieder höre ich von Ängsten, die eine ganz bestimmte Behörde betreffen:

Die Angst vor dem Jugendamt.

Mit dem Jugendamt wird gedroht. Über das Jugendamt wird geschimpft. Das Jugendamt macht zu wenig. Anderenorts scheint es sich zu viel einzumischen.

Aber was ist denn nun, wenn es wirklich mal passiert: Das Jugendamt steht vor der EIGENEN TÜR???

Also. Mir ist genau das einst passiert. Ein anonymer Hinweis teilte dem Jugendamt mit, dass meine Tochter in meiner Gegenwart in Gefahr ist. Depression und ein vermülltes zu Hause waren die Angaben.

Und siehe da: Das Amt der Region, in der ich damals wohnte, kam innerhalb kürzester Zeit in der Tat zu mir UNANGEMELDET zu Besuch. Ich stand unter Schock. In meinem Kopf hämmerte es. Ich war so sprachlos, dass ich erst einmal in die Küche ging, um Kaffee zu kochen. Diese war übrigens in der Tat nicht so ordentlich, wie sie es heute wäre, gerne stapelten sich mal bis zu drei Abwäsche an der Spüle. Und vom Boden hätten wir dort nicht gegessen;)
Eine Frau vom Jugendamt zog während dessen ihre Bahnen durch die Wohnung und fand:

Nichts. Ein normales Chaos, wie es in einem Haushalt mit einem Baby vorzufinden ist, vor allem, wenn es das erste Kind ist.

Ich war zunächst nicht sicher, was dieser Besuch an Konsequenzen für mich bringen würde. Und wurde von beiden Mitarbeiterinnen beruhigt: Es bestehe kein Grund, das Kind mitzunehmen. Das hätte man in der Tat gemacht, wenn die Angaben so gestimmt hätten, wie es beschrieben war.

Depressionen sind weit verbreitet. Und für das Jugendamt gilt: Die EINSICHT, DASS MAN DARAN LEIDET ist maßgeblich. Wenn die Eltern, die unter Kontrolle stehen, an Depressionen leiden und in Behandlung sind, ist eine Depression kein Grund dafür, ein Kind aus der Familie zu nehmen. Es gibt natürlich Ausnahmen: Eine große Suizidalität oder das emotionale Abstoßen / Vernachlässigen von Kindern wären natürlich ein Grund, einzugreifen.

Es wird in der Regel versucht, MIT den Eltern ZUSAMMEN einen Weg zu finden. Das kann auch eine Einweisung in ein Krankenhaus sein, wenn die Hauptbezugsperson betroffen ist, auch MIT KIND.

Und: Es ist den Mitarbeitern, wenn diese nicht selber aus irgendeinem Grund traumatisiert sind, immer sehr bewusst, dass Kinder ihre Eltern brauchen. Und man diese stärken muss.

Es kann also viele positive Effekte haben, wenn das Jugendamt einmal da war. Man bekommt plötzlich Berater, auf deren Wartelisten man ansonsten noch Monate lang warten müsste. Man bekommt eine eigene Wohnung, wenn das Umfeld so dermaßen nicht funktioniert, dass das Kind unter den Streitereien leidet.

Und es wird meistens objektiv in eine Situation gegangen.

Ich weiß durchaus, dass es negative Fälle gibt. Aber ich möchte allen, die Angst davor haben, dass die Drohung von Familienmitgliedern ernst wird, und das Jugendamt kommt, Mut machen. Es ist kein Grund, in Panik zu verfallen.

Meine Tipps für das Verhalten während eines Besuchen wären:

  • Bleibt ruhig, aber zeigt gerne, wie schockiert ihr seid. Die Mitarbeiter erwarten keine Eisklötze dort, wo Kinder wohnen;)
  • Seid ehrlich! Gebt zu, dass ihr gerne den Abwasch auf Morgen verschiebt. Und dass ihr selber auch nicht vom Boden essen würdet.
  • Das kann auch als realistische Selbsteinschätzung gewertet werden, was durchaus positiv ist
  • Fragt die Mitarbeiter gerne, ob ihr so falsch funktioniert. Sie können oft als unvoreingenommene Menschen viel besser einschätzen, was noch normal ist, als Verwandte.

Und: Denkt daran, dass das Jugendamt nicht die Müttermafia ist, die dafür existiert, Mütter zu entmachten.

Oft sind es selber Mamas, normale Mamas, die auch mal erschöpft sind. Das wissen die sicher noch sehr gut;)

Liebe Grüße

Eure Mira

 

Beitragsfoto: Antonio Guillem / shutterstock

 


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