Depression durch chron. Mandelentzündung?

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Heute möchte ich Euch auf einen Exkurs mitnehmen, der in mir brodelt, seit ich das erste mal eine Depression hatte.

Man sagt ja eigentlich „depressive Phase“, seit die Depression bei mir schon seit 2009 auf dem Papier festgehalten ist, hatte ich bereits fünf solcher akuten Phasen.

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Ich versuche es mal auf Normaldeutsch für Euch zu beschreiben, was in solchen Phasen mit mir los ist:

  1. Das Hauptsymptom bei mir ist die Antriebslosigkeit. Ich kann ganz ehrlich, einfach rein gar nichts mehr. Nicht Aufstehen ist meist das Erste, was nicht mehr geht. Es folgen mit Fortschreiten der UNBEHANDELTEN depr. Phase: Nicht mehr Kochen können, nicht mehr Essen können, nicht mehr Kommunizieren können (was u.a. die schwerwiegendsten Folgen hat!!!) etc.
  2. Es folgt der Appetitverlust. Man kann sich also nicht mehr nur, nicht zum Essen aufraffen, man hat schlichtweg keinen Hunger. Und somit fangen die Kräfte immer mehr an zu schwinden, was wiederum heißt: Man kommt einfach nicht mehr aus dem Haus!
  3. Irgendwann fängt man an, ständig müde zu sein und nur noch schlafen zu wollen. Es gibt dann für einen selber keinerlei Gründe mehr, aufzustehen, sich zu duschen, anzuziehen, überhaupt irgendwas „Normales“ zu tun. Wenn es in diesen letzten beiden Stadien nicht jemanden im selben Haushalt gibt, der a) … nicht flüchtet, b) …kapiert, was los ist (und Verständnis hat!!!) und c) … einen in den Allerwertesten tritt, dann ist man eigentlich auf der Müllhalde der Gesellschaft angekommen.
  4. Dies führt auch dann in einsamen Situationen zu einer lebensbedrohlichen Lebensmüdigkeit. Wenn man doch eh für alle anderen nur Belastung ist, warum sollte man dann überhaupt noch weiter existieren???

Leute, ich weiß, dass viele, viele Menschen genau wissen, wovon ich spreche.

Und genau so viele haben schlichtweg keine Ahnung, dass ein kleines unscheinbares Hormon so einen Scheiß in einem auslösen kann. Also um genau zu sein: Der Mangel dieses Hormones.

Bei mir ist es übrigens das Serotonin, das fehlt.

Serotonin ist unter der Hand gesagt das Hormon, das uns Menschen davor bewahrt, uns selber gegen die Wand zu fahren: Es wirkt stimmungsaufhellend, ausgleichend, AUFMUNTERND…

Es verhindert, sofern es denn im Hirn fröhlich herumschwimmt, dass wir uns eine Flasche Wein und zehn Packungen Aspirin reinschmeißen, wenn es uns gerade am Sinn im Leben fehlt.

So. Und damit wären wir auch schon bei meinem „Lieblingsauslöser“ für Depressionen im Allgemeinen:

Ein Mensch braucht eine Aufgabe, einen Grund dafür, jeden Tag aufzustehen und sich auf seine Arbeit zu freuen. Nein, ich meine nicht die Arbeit, mit der wir unser Geld verdienen. Sondern Arbeit, die Spuren hinterlässt. Mit anderen Menschen zusammenzuleben und einfach nur: Mensch zu sein (was in meinen Augen schon schwer genug ist dank der vielen Grübelleistungen, zu denen wir in der Lage sind).

In meinen Aufenthalten in Kliniken habe ich sehr, sehr viele Menschen kennen gelernt, die an dieser fiesen Krankheit leiden. Und vor allem eines hat die meisten gemeinsam geprägt: Der Verlust einer Lebensaufgabe.

Mal sind es die Kinder, die ausziehen, mal der Partner, der geht, mal ein Jobverlust. Oder aber:

Ein Job der tot langweilig ist, bzw. ein Job der wahnsinnig stressig ist, aber einen kein bisschen erfüllt.

Hinzu kommt ein gewissen Maß an NICHTBESTÄTIGUNG unserer selbst.
Bekommt eine frisch gebackene Mutter nur aufgezeigt, was sie alles falsch macht, warum sie schlecht fürs Kind ist, oder auch schlichtweg: Kein bisschen Anerkennung für das, was sie leistet, dann ist dies hochgradig wochenbettdepressions-gefährdend!!!

Man befindet sich auch nach traumatischen Erlebnissen gerne in einer Schockstarre, die zu einer Depression führen kann, wenn man nicht selbst oder mit Hilfe von außen dort hinaus kommt.

Diese Schockstarre habe ich zuletzt nach einem negativen Erlebnis in einem Krankenhaus bekommen. In einer OP habe ich mehrere Stunden lang wach gelegen, war aber nicht in der Lage, auf mich aufmerksam zu machen.

Ich war in dieser Zeit nicht nur den Schmerzen, sondern auch dem wenig liebevollen Umgang mit dem Patienten und Gesprächen über den Patienten auf dem OP-Tisch ausgeliefert (oh Gott, ich will aber auch nicht behaupten, dass ab sofort alle Ärzte liebevoll mit dem Skalpell über die Haut streichen sollen^^ So ist es nun mal während einer OP, das war ganz normal denke ich… Nur bekommt es der Patient im besten Falle nicht mit)..

Man nennt dieses Erlebnis übrigens Awareness Syndrom, falls es jemanden interessiert^^

So. Dieses Ausgeliefertsein hat mich so schockiert, dass ich bis in den Dezember rein in einer inneren Schockstarre geblieben bin.

Ich konnte nicht mehr auf Nachrichten antworten, keine Briefe mehr öffnen, keine Texte mehr schreiben. Alles was mich ausmachte, war mit in die Schockstarre gefallen.

Die Folgen waren:

Mahnbescheide, wegen Rechnungen, die mal einst keine zwanzig Euro betrugen.

Freunde, die sich abwendeten.

Ich konnte nicht einmal mehr den Anwalt kontaktieren, der meinen Fall gegen das Krankenhaus bearbeitet!!!

Arztbesuche ließ ich einfach ausfallen ohne abzusagen. Genau so Besuche bei Freunden…

Und kein Mensch ist von außen in der Lage gewesen, mich wach zu rütteln!!!

Nicht einmal meine Tochter.

Jetzt geht es mir langsam besser.

Dank Deva habe ich in einigen Atemtherapiesitzungen den Gefühlen, die mich so erstarren ließen, auf den Grund gehen können. Aber es ist noch einiges da, was mich immer wieder aus der Energie wirft. Es gibt nach wie vor Momente, in denen ich überlege, warum ich nicht besser „nicht mehr existiere“. Dann erscheint es einem unmöglich, dass irgendein anderer Mensch einen brauchen könnte.

Und ja damit meine ich sogar mein eigenes Kind. Schrecklich ist es, vor allem für Menschen, die nicht lauter Engel um sich herum haben, die einen so konsequent immer wieder ins Leben mitziehen.

Ich habe diese Menschenengel zum Glück. Und ich hoffe sehr, dass ich bald nicht mehr nur an ihren Kräften zerre, sondern alle Energie auf irgend eine Art zurück geben kann!

Übrigens habe ich vorgestern Abend hier einen Notarzt gehabt, da ich eine ganz schlimme Mandelentzündung habe und dazu eine Lungenentzündung bekommen habe.

Der Arzt meinte, dass es sehr gut möglich ist, dass die Depression mit der chronischen Entzündung in meinem Körper zusammen hängt. Und in der Tat:

Seit 2009, dem Jahr, in dem die erste Depression kam, hatte ich ständig (bis zu zehn mal im Jahr!!!) Mandelentzündungen. Die Mandeln sind so voller Eiter und Blut, dass sie eigentlich eine immerwährende Müllhalde von Giften in meinem Körper sind…

Eine OP soll ggf. also dafür sorgen, dass ich diesen ganzen Energieverlust endgültig loswerde?

Ach, dafür würde ich einiges tun, sogar ein weiteres mal unter Vollnarkose stehen!!!!:)

Danke an alle, auch unsere Leser, die uns mit ihren positiven Feedback viel, viel Enthusiasmus schenken!!!

Einfach Danke an Euch alle:-)
Eure Mira

Kommentar von Deva:

Aus meinen Erfahrungen mit Menschen mit Depressionen habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass Schuldgefühle die Ursache von Depressionsneigungen sind.

Diese können in der eigenen Schwangerschaft, bei der eigenen Geburt bis hin zum 3 Lebensjahr entstehen. So können wir uns zum Beispiel verantwortlich für das Sterben eines Zwillings fühlen, für die Schmerzen unserer Mutter während der Schwangerschaft oder bei der Geburt, für Trauer der Mutter oder des Vaters und viele mehr. Embryos wie Babys und Kleinkinder fühlen sich als Mittelpunkt der Welt und für alles verantwortlich, was in ihrer Welt geschieht.

Aufgrund von Schuldgefühlen, wie zum Beispiel die Angst nicht gut genug zu sein, nicht liebenswert zu sein, entstehen Ängste (u.a. vor Bestrafung), wie die, verlassen zu werden … .

Diese Schuldgefühle und Ängste verhindern zu dem Häufig das „Empfangen von Anerkennung, Wertschätzung und Liebe“, was uns wiederum das Gefühl von Wertlosigkeit vermitteln kann. Diese Ängste führen dann nicht selten zu Depressionen. Ob es im späteren Leben nun zu Depressionen kommt, liegt sehr wahrscheinlich an den stärkenden Ressourcen (Bestätigungen,Erfolgserlebnisse, etc.), die wir in unseren Kindheitsjahren entwickelt haben.


5 Comments

  • Claudia S.

    13. April 2015

    Danke dir von Herzen für Deine Geschichte…….ich fühle mich einfach nur verstanden !

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  • Belinda Wicki

    23. April 2015

    Hi Mira, Depressionen sind etwas ganz schreckliches. Ich habe beruflich bedingt täglich damit zu tun. Das schlimmste aber ist, dass Depressionen von der Gesellschaft mit einem lächeln abgetan werden. Hat jemand einen Arm oder ein Bein gebrochen, dann sieht man es. Wenn aber die Seele krank wird, merkt man das oft erst nicht. Was du da in deiner Op erlebt hast, ist glaube ich der Albtraum schlechthin. Ich kann mir nur im entferntesten vorstellen wie das gewesen sein mag. Ich hoffe für dich, dass du dein inneres Gleichgewicht auf Dauer findest und deine Depressionen auf nimmerwiedersehen verschwinden. Liebe Grüße Belinda

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    • Mira

      23. April 2015

      Danke für die lieben Worte:-)
      Ja, das stimmt, die Gesellschaft gräbt die Depression unter den Tisch…
      Leider.
      Aber da immer mehr Leute dran erkranken, wird sich das bald schon ändern:-)
      LG
      Mira

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  • Martin

    1. Mai 2015

    Liebe Mira,
    ich hatte Gott sei Dank noch nie eine Depression. Ich kenne allerdings in meinem Umfeld einige welche eine Depression und andere schwere Psychische Erkrankungen haben oder hatten.

    Ich weiß nicht wie man sich da fühlt, natürlich bin ich auch mal nicht gut drauf, oder traurig, aber dass hält nicht lange an und schon bin ich wieder voller Energie, wofür ich sehr dankbar bin. Ich merke aber auch, dass ich mit zunehmendem Alter mehr Licht benötige und mehr Sport treiben muss um fit zu sein. Auch helfen mir Nahrungsergänzungsmittel, glaube ich zumindest :-))

    Schön, dass du so offen darüber schriebst, das macht sicherlich betroffenen Mut, anders mit deren Krankheit umzugehen.

    Alles Gute und liebe Grüße

    Martin

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  • Ruth

    6. Januar 2017

    Sehr toller Beitrag, den ich mit großem Interesse gelesen habe, weil aus meiner Familie auch jemand öfters davon betroffen ist.

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