Erziehung – Eingewöhnungsphase bei Kindergartenkindern

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Hallo Zusammen,

Nach meinem Beitrag über die Einschlafprobleme von Kindergartenkindern will ich nun meine Erfahrungen über die Einewöhnungsphase von Kleinkindern im Kindergarten schreiben.

Vorab: Es sind nicht die Kinder, die Probleme haben dort zu bleiben! In den allermeisten Fällen sind es die Sorgen und Ängsten von uns Eltern.

Was uns an meisten zu schaffen macht, ist das „Loslassen“ unserer Kinder, wobei dieser Prozess bereits mit der Geburt beginnt und häufig nie endet. Typische Stationen sind die Geburt, das Ende des Stillens, das Laufen lernen, das Sprechen lernen, der Kindergarten, die Schule, die Ausbildung, das Ausziehen aus dem Elternhaus, die Hochzeit, die Geburt von Enkelkindern … Die gemeinsamen Merkmale dieser Stationen sind das immer Unabhängiger werden von unseren Kindern. Sie brauchen uns immer weniger und das verstärkt unsere Angst sie bzw. die „Kontrolle über sie“ zu verlieren.

So, nun aber zurück zur Eingewöhnungsphase in den Kindergarten. Wir haben Angst unser Kind allein zu lassen bzw. Angst, dass unser Kind denken könnte, wir würden es allein lassen. Diese Erfahrungen brechen alte Wunden aus unserer Kindheit auf. Als wir uns einsam und verlassen fühlten.

Unsere Kinder spüren diese Ängste und reagieren darauf mit Klammern, Weinen, Schreien, auf den Boden schmeißen … Ihr kennt solche Situationen bestimmt. Wenn wir uns diesem „Mechanismus“ bewusst werden und unsere Ängste tragen und uns nicht von ihnen umhauen lassen und dann unserem Kind zutrauen, „allein“ im Kindergarten zu bleiben, klappt es. Damit will ich nicht sagen, dass es hilfreich sein kann, sein Kind ein paar Tage für wenige Stunden im Kindergarten zu begleiten. Wir wollen uns als Eltern ja sicher sein, dass es unseren Kinder dort gut gehen wird.

Ich kam erst sehr spät mit ca. 6 Jahren in eine bestehende Kindergartengruppe. Die Kinder kannten sich damals schon sehr gut und da ich schon immer sehr schüchtern und zurückhalten war, viel es mir sehr schwer auf andere Kinder zu zu gehen und so spielte ich meistens allein für mich.

Einmal hat es meine Mutter probiert mich nach dem Mittagessen, damals gab es noch keine Übermittagsbetreung, in den Kindergarten zu schicken. Ich habe dieses Bild von mir noch sehr deutlich vor Augen. Wir wohnten im vierten Stock eines 16 Familienhauses. Meine Mutter stand oben auf dem Balkon und ich schlürfte mit einem sehr traurigen Blick und hängenden Schultern widerwillig auf der anderen Straßenseite zum Kindergarten, in den ich nicht wollte. Auch wenn ich damals erst 6 Jahre alt war, weiß ich noch genau, wie ich ihr, bewusst das es nicht mein Gefühl entsprach, entgegen schrie, „Du schickst mich nur weg, weil Du mich nicht liebst.“ Ich dachte mir, dass wirkt bestimmt und was sage ich Euch. Das war mein einziger und letzter Nachmittag im Kindergarten.

Meine Mutter war als Kiegs- und -Flüchtlingskind mit „arbeitenden“ Eltern sehr viel allein. Ich vermute, sie wollte mir dies nicht „antun“ und wiederholte diesen Versuch nicht ein zweites mal. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, doch weiß und wusste ich auch damals, dass sie mich nicht wegschickte, weil sie mich nicht liebt. Sie war eh zuhause, da ich noch eine jüngere Schwester hatte. Sie wollte mir nur einen gute Vorbereitung in die Schulzeit gewähren.

Bevor nun euer Kind das erstemal bei einer Tagesmutter, Groß- oder Schwiegereltern oder in den Kindergarten geht, denkt mal nach welche Gedanken bzw. Urteile euch dazu in den Sinn kommen, wie z.B. „Ich bin eine Rabenmutter.“ Ich schaffe es nicht mein Kind zu betreuen“. „Ich  bin sooo egoistisch.“ „Was ist, wenn mein Kind die Kindergärtner/in mehr liebt als mich?“ …  Es kann eine sehr schöne Nähe schaffen, wenn ihr euch darüber mit eurem Partner austauschen könnt.

Diese Urteile beruhen fast immer auf Missverständnissen. Wir dachten damals als Kind vielleicht, dass wir nicht liebenswert sind und unsere Mutter uns deshalb wegschickt … Doch war es die Wahrheit? Ich weiß, dass alle Mütter und Väter immer ihr Bestes geben und ihre Kinder lieben, ob sie „gelernt haben“ es ihnen zu zeigen oder auch nicht zu zeigen.

Hierzu möchte ich euch auch noch mal auf die Beiträge: „Glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern“ und „Kinder wollen an die Hand genommen werden“ hinweisen. Auch kann es sehr hilfreich sein, sich in Gedanken vorzustellen, wie diese „Eingewöhnungsphase“ entspannt verläuft und sich unser Kind sehr wohl fühlt im Kindergarten und viele Freundschaften schließt.

Ich wünsche euch Gelassenheit und Erfolg

Deva

(Familientherapeut, Persönlichkeitsentwickler und Trainer für Gewaltfreie Kommunikation)

 

 

 

 

 

 


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