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Aus dem Leben gegriffen: Ein Kreidezahn und seine Behandlung unter Vollnarkose

Hallo Ihr Lieben,

vor einigen Wochen hatte ich euch auf Instagram bereits über den Befund bei Viki berichtet: Sie hat einen Kreidezahn. Zunächst war ich sehr überrascht, weil ich in der Babyzeit genau aus diesem Grund alle Produkte mit BPA (ein Weichmacher in Plastik)darin extrem gemieden habe.

Ich war da sogar etwas übergenau und habe Hersteller von Babyflaschen mit meinen Fragen zu dem Thema wohl etwas genervt. Deswegen war ich auch immer der Meinung, dass mein Kind wegen meiner Übergenauigkeit (ja, ich habe mir selbst auf die Schultern geklopft… *g*) nie mit Kreidezähnen zu tun haben wird.

Denkste. Sie ist betroffen. Und ich fing an, mich zu fragen, was ich falsch gemacht habe…

Damit ihr alle wisst, warum ich hier so ein Theater wegen einem Zahn machte zunächst einmal ein kurzer Überblick:

Was sind Kreidezähne?

Hier die Definition von der Seite https://medlexi.de/

Es handelt sich um einen systemisch bedingten Defekt am Zahnschmelz und an der Zahnsubstanz. Die Zahnhartsubstanz geht zunehmend verloren. Das Kariesrisiko und die Empfindlichkeit der Zähne gegenüber Kältereizen oder Berührungen erhöhen sich dadurch. Per Definition handelt es sich um eine systemische, aber nicht vererbbbare Zahnerkrankung.

Sprich: Bei Viki gibt es einen (bleibenden) Backenzahn, der nicht nur butterweich ist, sondern auch über eine bröselige Beschaffenheit verfügt, dass sie bald schon große Probleme (Schmerzen!) bekommen würde, wenn er nicht behandelt wird.

Woher kommen Kreidezähne?

Tja. Bisher hatte man oft das Fluchen auf BPA-Produkte gelesen. Die Weichmacher in den Plastikprodukten sollten auch Zähne weich machen, so wurde zumindest lange Zeit vermutet.

Diese Ursache ist inzwischen so ziemlich widerlegt. Was nicht heißen soll, dass nicht doch auch BPA einen Einfluss haben kann. In dem es letztlich ein negativer Faktor zu viel ist.

Drauf sollte man generell, so gut es geht, verzichten!

Um genau zu sein: Die Wissenschaft ist immer noch am rätseln. Es gibt noch immer keine endgültig bewiesene Ursache, was Kreidezähne verursacht. 

Bei Viki könnte man, wenn man bedenkt, in welchem Lebensalter dieser Zahn einschoss (also im Kiefer bereits entstand, ohne dass man ihn sehen konnte) eine deutliche Parallele zu ihrer Borreliose Erkrankung sehen. Weshalb sie über viele Monate hinweg Antibiotika einnehmen musste (lest hier, warum die Borreliose erst zu spät erkannt wurde).

Aber auch das ist nur eine Vermutung, für die es keinen wissenschaftlichen Beleg gibt!

Wenn jemand einen aktuelleren Stand zu Thema Entstehung der Kreidezähne findet, bitte gerne melden, damit ich es verlinken bzw. ergänzen kann:) Wir stehen mit einer u.a. auf Kreidezähne spezialisierten Kinderzahnärztin aus Berlin in Kontakt, die uns den wissenschaftlich aktuellen Kenntnisstand demnächst verständlich in einem Beitrag schreiben wird.

Die Diagnose „Kreidezahn“

Habe ich als Mutter versagt?

Bei einem Kontrolltermin, bei dem unser Zahnarzt auch schauen wollte, ob man bei Viki mit dem Versiegeln der Backenzähne beginnen kann, ist ihm der Kreidezahn aufgefallen.

In mir hörte ich, wie mein Gehirn eine alt bekannte Leier abspielte, die etwa so klang:
„Haha, wusste ich es, du bist eine schlechte Mutter, du hast versagt und dein Kind nicht gut genug beschützt!“

Der Arzt erstickte meinen inneren Vorwurf direkt im Keim

Auf meine Frage hin, ob ich etwas wirklich wichtiges versäumt habe, die für mein Mama-Ego beruhigende Erklärung: Nein, nach derzeitigen Erkenntnissen kann man noch nicht gezielt Kreidezähne verhindern. Man weiß immer noch nicht endgültig, was sie verursacht. An zu wenig Putzen oder einem BPA Überschuss liegt es bei uns definitiv nicht, denn da sind wir eher sehr vorsichtig …

Der Plan: Eine Sanierung unter Vollnarkose

Liebe andere Eltern, die geniale Wunderkinder haben, bei denen man alles machen kann, ohne dass das Kind mit der Wimper zuckt:

Bitte spart uns die Kommentare, dass Kinder lernen müssen, sich zusammen zu reißen.

Unsere Tochter hat dank der Borreliose und einigen eher unempathischen Ärzten eine Phobie vor allen Eingriffen am Körper. Und zwar so sehr, dass sie hyperventiliert und anfängt zu brechen, selbst wenn man nur versucht, ihr Luft in den Mund zu pusten …

Und bei aller Geduld unseres Zahnarztes: Eine Freilegung bis auf den Stumpf macht nicht einmal ein Erwachsener im Spaziergang mit. Bei einem Angst-Kind ist das Folter. Auch für den Zahnarzt …

Der Zahn muss, damit er nicht richtig schlimme und vor allem schmerzhafte Folgen mit sich bringt, abgetragen und mit einer künstlichen Zahnschmelz-Schicht neu aufgebaut und somit geschützt werden.

Das ist die Erklärung aus meiner Feder, ein Zahnarzt würde es sicher anders formulieren;)
Und das alles unter Vollnarkose, um Kind und Arzt zu schonen.

Man muss es ja nicht schlimmer machen als es eh schon ist.

Meine Angst: Ist das nicht leichtsinnig und bringe ich mein Kind in Gefahr, wenn ich zustimme?

Ja, ich habe gegoogelt. Die Wörter „Vollnarkose“ und „Kind“ in Kombination mit „gefährlich“.

Wo ist der Holzhammer für Eltern, die Google befragen, obwohl jeder weiß, dass man da in dem bestärkt wird, was einem eh schon Angst macht???

Nun ja, ich habe Google befragt und las Horrornachrichten über Kinder, die eine Vollnarkosen nicht überlebt haben …

Nun kommt der Anästhesist ins Spiel

Zum Glück hatten wir ein Aufklärungsgespräch in der Praxis, in der die Zahn-OP durchgeführt werden sollte.

Der Anästhesist nahm uns mitsamt Viki sehr herzlich in Empfang und hatte neben einer sehr positiven Ausstrahlung auch Geduld und Zeit.

Alle unsere Fragen wurden beantwortet. Auch meine Frage zu dem Risiko. Und ich war zu mindestens zu 70% beruhigt;)  Also: Man muss die Qualität der Narkoseärzte auch einfach in der Art der Umsetzung vergleichen. Man KANN ein Kind in der Zahnarztpraxis in Narkose legen, was den Nachteil hat, dass der Zahnarzt nicht die Notfallausstattung hat, wie eine Anästhesiepraxis.

Das ist der Grund, warum unser Zahnarzt extra nach Münster fährt und seine eigenen Werkzeuge mitbringt.

Und auch die Art der Beobachtung ist nicht überall die gleiche … Unser Narkosearzt jedenfalls bleibt ununterbrochen beim Kind und hat viele verschiedene Möglichkeiten, die Narkose zu bewachen.

Und er hat Erfahrung, welche er auch ausstrahlt. Was letztlich Viki Vertrauen schenkte. Und mir:)

Der große Tag: Die OP wird durchgeführt

Gestern war es dann soweit.

Wir fuhren früh Morgens in die Praxis nach Münster.

Warten auf die Kreidezahn-OP, noch mit guter Laune

Warten auf die Kreidezahn-OP, noch mit guter Laune

Dort angekommen gab es dann einen kurzen, unschönen Moment (was nicht am Team dort lag!), zu dem ich noch einen separaten Beitrag schreiben werde: Der Beruhigungssaft sollte eingenommen werden.

Die Folge: Viki heulte, schrie, würgte, hyperventilierte …
Daraufhin verzichtete man letztlich auf den Saft, der ja eigentlich alles so herrlich „lalala“ machen sollte.

Das ist leider auch Teil von Vikis Eigenart, ihre bisherigen Arzt-Erfahrungen zu verarbeiten. Bei ihr dreht das limbische System total am Rad, wenn Medizin vor ihr steht. Sie verhält sich dann so, als würden sie vergiftet werden …

Dank des wirklich einfühlsamen Teams klappte es aber auch ohne den „Lala“-Saft:

Sie bekam Plaster mit einer Betäubungscreme an die Stellen, an denen man den Zugang legen wollte (zwei Pflaster gab es, um eine Alternative zu haben, wenn es an der ersten Stelle nicht klappen sollte).

Wir wurden in den Vorraum der Einleitung gebracht. Ich saß mit Viki auf dem Schoß auf der Liege und sie durfte ein Puppenhaus-Krankenhaus einrichten. Dann kam der Arzt mir der „Nadel“ in der Hand.

Er hatte im Vorfeld mit Viki den „Deal“ abgemacht, dass sie wegschauen MUSS, wenn er die „Zauberklappe“ legen würde, da sie nur dann wirklich nichts merkt …

Nun ja, das klappte von Vikis Seite aus, eher nicht ganz so gut;) Aber der Zugang war so schnell gelegt, dass sie wirklich erstaunt war. Und es tat tatsächlich NICHT weh, was Viki noch mehr erstaunte:)

Dann ging es los.

Das Narkosemittel wurde in Etappen gespritzt. Und nach einer ganz kurzen Zwei-Sekunden-Panik „Mama, bleib bei mir!“ schlief sie ein.

Das war einerseits sehr komisch und beruhigend zugleich. Doch das schlimmste fürs Kind war geschafft.

Und ich war erstaunt, wie der Arzt es geschafft hatte, diese Nadel zu legen;)

Statt ´nem Schnaps bekamen wir ´nen Kaffee

Kreidezahn OP und die Eltern warten

Einen Kaffee in der Zeit in der wir Eltern während der Kreidezahn OP warten. Schnaps wäre mir lieber gewesen …

Ich ging mit Schlotterbeinen ins Wartezimmer zurück. Und bemerkte, dass ich nun einen Schnaps bräuchte. Die Arzthelferin (oder Narkoseschwester? So genau habe ich nicht auf das Namensschild gesehen. Und ich möchte niemandem den falschen Beruf zuschreiben) kam zu uns und fragte, ob wir einen Kaffee haben möchten. Diesen und warme, liebevolle Worte bekamen wir dann auch noch.

Da merkt man, dass das Team oft Kinder und ihre Eltern zu Besuch hat, wir wurden wirklich rundum herzlich betreut! Und bereits 40 Minuten später kam  der Zahnarzt ins Wartezimmer und berichtete, dass alles gut geklappt hat.

Mit ihm zusammen gingen wir dann in den Aufwachraum, in dem Viki bereits auf ihrem Papa-Bär auf einer Liege lag. Schön zugedeckt und sehr entspannt:)

Nach der OP endlich was essen:) Kreidezahn-OP

Nach der OP endlich was essen:)

Sie wurde sehr schnell wieder sehr klar im Kopf und hatte keinerlei Schmerzen oder sonstige Beschwerden. Nur ihre Beine wackelten noch ein kleines bisschen.

Sie ist mächtig stolz, dass sie ihre erste Operation hinter sich hat:) Und bekam auch eine richtige Urkunde.

Urkunde für das Kind nach der Kreidezahn OP

Die Urkunde und das stolze Mädchen

Wir danken den beiden Ärzten und deren Teams (die Namen und Kontaktdaten bekommt ihr gerne auf Nachfragen) für ihre Ruhe, ihr Wissen, ihre Art und vor allem die Geduld mit uns und unserer Tochter.

Es ist leider nicht selbstverständlich, dass man mit so viel Respekt und Empathie behandelt wird. Gerade Zahnärzte sind in einem sehr sensiblen Bereich tätig und da jemanden zu finden, der in seinem Bereich gut UND zudem empathisch ist, das ist nicht so einfach.

Und auch das Narkose-Team hat bewiesen: Man kann Kinder unter Vollnarkose operieren, ohne den Holzhammer anzuwenden:) Mit guten Erklärungen aber auch dem Durchgreifen mit Herz im richtigen Moment klappt es auch bei hochsensiblen Kindern.

Liebe Grüße!
Eure Viki, Mira und Deva

Hier übrigens noch ein informativer Beitrag zum Thema:

 

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