Erziehung – Was Kinder unter einem „NEIN“ verstehen

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In Amerika, gab es vor einiger Zeit eine Studie, in der man gezählt hat, wie häufig ein Kind am Tag ein „No“ bzw. „Nein“ zu hören bekommt. Das Ergebnis: Es waren ca. 200 Neins!

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Foto: er / pixelio.de

…Meiner Erfahrung nach dürfte es in Deutschland ziemlich ähnlich sein. Und was genau ist daran so schlimm???

Ganz einfach:  Kinder verstehen ein Nein viele Jahre zudem als ein „Ich bin nicht OK“!!!

Sie können ihre Bedürfnisse/Wünsche nicht von ihrer „Person“ trennen. Viele von Euch können sich bestimmt nicht mehr daran erinnern. Denn es ist kein bewusster Gedankenvorgang, sondern geht immer unbewusst einher.

Was nun? Sollen wir jetzt die Kinder etwa nicht mehr zurechtweisen???? – Quatsch.

Hier ein paar Beispiele wie wir ein Nein umgehen können:

Ich weiß aus eigener Erfahrung als Papa, dass es eine sehr anstrengende, aber auch lohnenswerte Investition, in das Selbstbewusstsein unserer Kinder ist.

„Nein, Du darfst jetzt kein Fernsehen mehr schauen!“

– besser: „Ich kann verstehen, dass Du jetzt gerne Fernsehen möchtest. Was ich Dir anbieten kann, ist, dass wir jetzt erst in Ruhe zu Abendessen und wenn wir gemeinsam den Tisch abgeräumt haben, kannst Du gerne noch eine halbe Stunde Fernsehen.“ 

Kind: „Ich will diese Puppe!!!!!“, Mama: „Nein, die gibt es nicht.“

Unser Vorschlag: „Oh, ja, diese Pupe ist wirklich schön. Die hätte ich auch gerne gehabt. (Hier geht es darum, unserem Kind Verständnis für ihr Bedürfnis/ihren Wunsch zu schenken.) Leider kann ich Dir diese Puppe nicht kaufen, doch was ich Dir vorschlagen kann, ist, dass wir, wenn ich hier mit den Einkauf fertig bin, ein Eis essen“.

 Es ist besser, unseren Kindern Verständnis entgegen zu bringen und eine Alternative anzubieten.

Wir möchten noch betonen, dass einzelne Neins das Selbstbewusstsein von Kleinkindern nicht unbedingt schwächen, da sie in der Regel auch viel Anerkennung, Wertschätzung und Bestätigung erhalten. Doch je mehr wir gewaltfreie Kommunikation üben, umso stärker wächst das Vertrauen unserer Kinder uns gegegenüber und zu sich selbst.

In Gefahrensituationen halte ich ein Nein zwar nicht so sehr für „traumatisch“, doch ist es hier ganz einfach wenig hilfreich. Ich empfehle in diesen Situationen klar auszudrücken, was das Kind machen soll, wie z.B. „Bleib stehen!“ oder „Stopp!“, „Komm zu mir!“ (…)

Hilfreich ist es, wie in allen Anweisungen unseren Kindern zu sagen, was wir uns von ihnen wünschen und nicht, was wir uns nicht wünschen. „Rasen betreten verboten“, „Denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten“. Diese Anweisungen gehen häufig in die „Hose“. Da unser Gehirn mit Bildern arbeitet und es für die Worte „nicht“ und „verboten“ und (vielen anderen) keine klaren gibt, werden die Worte mit Bildern von uns visualisiert (Rasen betreten, Rosa Elefant).

Teilt uns doch Eure Erfahrungen und Ideen in diesem Zusammenhang mit. Welche „Neins“ findet ihr besonders schwer, umzuformulieren?


One Comments

  • Wimmelköpfchen

    14. April 2016

    Ein sehr interessantes Thema. Ich kann mich an meine Kindheit erinnern. Vor allem bei der Frage: „Darf ich etwas Süßes, oder darf ich ein Eis?“ fiel es mir besonders schwer ein einfaches „Nein“ zu akzeptieren. Ich wollte dann immer den Grund erfahren, den meine Mutter mir leider nie formuliert hat. Meistens kam die Antwort: „Weil ich Nein gesagt habe!“ Das war für mich nur leider keine Antwort und ich fühlte mich zutiefst ungerecht behandelt. Von daher finde ich das Umformulieren sehr wichtig; wenn auch nicht immer ganz einfach 🙂

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