Weihnachtswunder: 12 Stunden operiert und ab sofort Stomaträgerin

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Liebe Leser,

hier melde ich mich nun nach einer Woche wieder höchst selber zu Wort.

Ich muss sagen, dass die letzte Woche eine wahnsinnige Achterbahnfahrt der Gefühle war.

Angefangen mit der 12-stündigen OP:

Es wurden unfassbar viele Endometriose-Herde gefunden, die im Bauchraum verteilt waren und sogar schon an Darm und Harnleitern wucherten.

Am Darm fand die größte und schlimmste Party statt, denn dort war die Endometriose so schlimm, dass er stellenweise perforiert war.

Deswegen haben die Gynäkologen einen Chirurgen ans Werk gelassen. Dieser hat sich austoben dürfen, und mir viele cm Darm entnommen.

Da ja nun an einer Stelle im Darm eine Naht ist, haben die Ärzte zum Schutz ein Stoma gelegt, sonst könnte nämlich während der Heilungsphase im Darm durch Nahrung die Naht kaputt gehen. Und was dann pasieren würde, wäre lebensbedrohlich…

Ich muss gestehen, dass mich dieses Ding an meinem Bauch noch immer sehr fertig macht.

Aber Deva hat mir einen Gedanken mit auf den Weg gegeben, der mir sehr hilft, diese unangenehme Situation anzunehmen.

Diesen werde ich aber separat erläutern.

Wie geht es mir nach dieser wahnsinnig langen OP?

Viele von Euch haben mir sehr liebe Nachrichten gesendet, welche mir die Tage sehr viel angenehmer machten.

Danke dafür <3

Also, mir geht es verhältnismäßig wirklich gut! Nach der OP hatte ich von Anfang an keine Schmerzen, zunächst wegen der tollen Schmerzmittel (Dipi… ich liebe es^^). Dann aber wurden die immer weniger und seit dem vierten Tag nehme ich gar keine Schmerzmittel mehr. Und nein, nicht weil ich so tapfer bin *lach*. Ich habe schlichtweg keine Schmerzen! Wow… Für eine riesen Narbe vom Bauchnabel bis zum Schambereich, ein Wunder.

Als ich aus der Narkose erwachte (das zweite Aufwachen, welches nicht im Aufwachraum stattfand, denn daran kann ich mich nicht erinnern), war meine erste Frage nach dem schwachen „Hey“ an Deva:

„Stoma???“

Und er nickte. Ich war seltsam ungerührt, und schlief schon bald wieder ein.

 

Am nächsten Tag wurde ich von einer Krankenschwester das erste mal an meinem „Notausgang“ versorgt. Deva saß neben meinem Bett und hielt meine Hand.

Als der Beutel entfernt wurde, überkam mich ein riesiger Schock. Ich konnte den Stumpen, der mein neuer Darmausgang war, nicht anschauen.

Mich überkam eine wahnsinnige Panik und ich begann zu hyperventilieren…

Nein, das kann nicht sein. ICH??! Ich soll jetzt so einen Beutel am Bauch hängen haben?

Und ich beschloss, es zunächst zu verdrängen.

Am zweiten Tag nach der OP wurde das erste mal die „Platte“ gewechselt, an der die Beutel befestigt werden.

Und ich began zu weinen wie ein kleines Kind…

Deva sagte nach dem Plattenwechsel folgendes zu mir:

„Sieh deinen Stumpen als dein kleines Kind. Dein kleines inneres Kind, und versuch es auch genau so zu behandeln. Sei lieb zu dir selber und akzeptiere gleichzeitig deinen Schock. Erkläre deinem „Kind“, dass du dein bestes geben wirst, ihm mit Liebe zu begegnen, denn so gehst du schlussendlich mit dir selber um.“

Auf meinem Nachttisch stand meine Engelfigur, die ich in Bad Dürrheim als Erinnerung an die Reha gekauft habe:
Ein Engel, der ein Kind an der Hand hält. Eigentlich stellt es für mich Püppilotta und mich dar…

Aber diese Figur hilft mir, mein mentales Verhältnis zum Stoma zu betrachten.

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Jedes mal, wenn ich also den Beutel leere oder wechsle, sehe ich mir zunächst die Figur an.

Und: Ja, es hilft. Am fünften Tag tauschte ich bereits selber den Beutel aus, und an Tag sieben konnte ich sogar selber die Platte erneuern.

An Tag Acht (Heiligabend) ging es nach Hause.

 

Das ist übrigens auch ein kleines Wunder.

Denn normaler Weise bleiben die Patienten zunächst zwei Wochen stationär und das bei wesentlich kürzeren OP´s. Aber mir geht es so gut, dass ich mit Deva täglich (im Rollstuhl und teilweise zu Fuß) Runden durchs Krankenhaus drehte:)

Tja. Und nun habe ich das erste mal einen Tag zu Hause verbracht. Zu Hause ist die Versorgung des Stomas irgendwie viel leichter, da die Umgebung so vertraut ist. Das Bett ist viel bequemer, wodurch meine Nerven tagsüber besser mitmachen.

Mental bin ich relativ gut drauf. Nur mein Gehirn ist irgendwie noch am Hochfahren. Denn so wirklich schnell bin ich im Denken nicht. Das soll ganz normal sein nach einer 12-Stunden Narkose und viel Blutverlust… Hoffentlich^^

So, nun möchte ich an dieser Stelle meinen Dank an die Menschen aussprechen, die im Krankenhaus mein persönliches Weihnachtswunder beschert haben:

Zunächst Dr. Witteler und sein Team, zusammen mit dem Chirurgen Dr. Rijcken, die mich operiert haben:

12 Stunden haben SIE mich von meinem inneren Zerstörungsmodus befreit, meine ständigen Schwachstellen aus dem Bauch geschnitten, und langfristig mein Leben gerettet.

Dann unbedingt noch dem Anästhesisten Dr. Venherm, der seine vielen Versprechen gehalten hat:

  • Ich wurde nicht wach während der OP!!!
  • NACH der OP hatte ich nicht auch nur eine Minute lang Schmerzen!!!

Alle drei sind die besten in der Uni Klinik Münster auf ihrem Gebiet, was ja absolut nicht selbstverständlich ist.

DANKE DANKE DANKE!!!

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Wie ich Deva für seinen Part während und nach dieser Mords-OP danken soll, ist mir absolut nicht klar…

Er hat meine Hand gehalten, bis zur OP-Schleuse und anschließend 12 Stunden (ohne Informationen) vor dem Aufwachraum auf mich gewartet, um mich in Empfang zu nehmen.

Er hat mir meine Panik genommen, gut zugeredet, mich getröstet, ermutigt und nicht zuletzt jeden Tag besucht.

Ich weiß, dass das alles sehr viel Energie gekostet hat. (siehe: sein Beitrag zur OP-Wartezeit)

DANKE mein allerbester geliebter Schatz, du bist eines meiner größten Wunder meines Lebens!!!

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Liebe Grüße an Euch alle und wundervolle Weihnachtstage!!!

Eure Mira

 

 

 

 

 


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